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Was braucht es alles, bis die Strecke einer neuen, organisierten Radreise entwickelt ist, auf der anschließend, über Jahre und Jahrzehnte, Millionen Radfahrer im Urlaubsglück schwelgen? An die Arbeit des Reiseentwicklers denkt meistens niemand, dabei ist sie das Um und Auf für zahlreiche Radreise-Glücksmomente.

Wenn der Weg das Ziel ist

Auf einer organisierten Radreise gibt es sie immer, die ganz besonderen Momente. Da ist zum Einen der Zeitpunkt, an dem das nächste Tagesziel zum ersten Mal in der Ferne sichtbar wird. Jetzt weiß man: Es kann nicht mehr lange dauern. Nur noch ein Hügel ist zu meistern und anschließend geht es am kleinen Bächlein entlang, dessen Wasser in der Sonne glitzert, dann vorbei an der großen Kirche, die übrigens auch eine Besichtigung wert wäre. Und dann ist da der Augenblick, wenn man ankommt, das Fahrrad abstellt, die Koffer bereits im Hotel warten und man auf der Sonnenterrasse der Unterkunft bei einem kühlen Getränk den Tag Revue passieren lässt. Gut hat alles funktioniert. Besser als erwartet sogar. Die Tagesstrecke war optimal ausgeschildert, die Radwege herrlich zu fahren, die Landschaft einfach traumhaft. Längst vergessen sind die paar Schweißperlen zwischendurch. In Vergessenheit gerät oftmals auch Andreas. Das ist der Mann, der diese Radreise-Route geplant hat.

Wie aus 300 Kilometern schnell 3000 werden

Eine einwöchige Radreise zählt im Durchschnitt 300 Kilometer. Bereitet man nun eine Reise in einem Gebiet auf, das noch nicht radtouristisch genützt wird, kommt man ganz schnell auf rund 3.000 Kilometer, die dafür gefahren werden müssen, erzählt Andreas. Um die idealen Wege für die kommenden Radurlauber zu finden, braucht es meist die zehnfache Distanz in der Vorbereitung. All das passiert natürlich nicht nur mit dem Fahrrad.

Was im Rahmen der Reiseentwicklung alles zu bedenken ist, erklärt Andreas, während er stolz einen Stapel Streckenbeschreibungen der von ihm entwickelten Radreisen auf den Tisch legt. Welches Gebiet in Europa für das nächste Projekt auserkoren wird, wird im Team entschieden. Die Ideen entstehen meist im Unternehmen selbst oder es kommen Vorschläge von Radreisekunden. Ist die Entscheidung gefallen, beginnt Andreas’ Arbeit. Beim Erstbesuch der Region macht er sich auf die Suche nach den verkehrsärmsten und einfachsten Strecken. Aus all diesen Wegen wird anschließend eine einwöchige Radreise zusammen gestellt. Für die Radreisekunden der nächsten Jahre. Und Jahrzehnte.

Radreisen als Beruf(ung)

Das Schönste an seinem Job ist das Reisen, erklärt er. Er ist mehr als 100 Tage im Jahr unterwegs, um die schönsten Strecken für neue Radreisen aufzuspüren und Neues zu entdecken. Wo liegen außergewöhnliche Sehenswürdigkeiten, die mit dem Fahrrad gut erreichbar sind? Wo empfehlenswerte Labestellen? Doch damit ist es nicht getan. Es sind vor allem die Arbeiten im Hintergrund, die wichtig sind und die es zu organisieren gilt. Jene Dinge, die jeder bei einer Reise als selbstverständlich voraussetzt. Aber Andreas weiß, dass gute Partnerschaften und erfolgreiche Kooperationen alles andere als selbstverständlich sind. Verhandlungen mit Hotels müssen geführt, Kooperationen mit Radwerkstätten vereinbart und ein gut funktionierendes Koffertransport-System eingeführt werden.

Rad als Mittel zum Zweck

Radfahren tut nicht nur dem Körper gut. Auf Radreisen ist es auch ein Mittel zum Zweck, um von A nach B zu gelangen. Zusätzlich kommen aber auch noch andere Faktoren ins Spiel, die eine Radreise zu dem machen, was sie ausmachen sollte – nämlich eine Ansammlung von erlebenswerten Momenten, an die man sich noch gerne lange zurückerinnert. Und das jeden Tag aufs Neue. Das ist die Kunst bei der Reiseentwicklung.

Für Andreas sind es drei wichtige Puzzleteile, die jede von ihm entwickelte Radreise aufweisen muss: eine atemberaubende Landschaft, kulturelle Highlights und kulinarische Leckerbissen. Am besten innerhalb jeder Tagesetappe. Dass das nicht immer möglich ist, nimmt er nur sehr ungern zur Kenntnis. Aber sein Streben, diese sich selbst auferlegten Kriterien zu erfüllen, ist hoch.

Nicht jede Region eignet sich für den Radtourismus - ist sie auch noch so schön. Doch für Andreas zählen andere Kriterien als es für den normalen Urlaubsgast den Anschein macht. Besonders die Wegbeschaffenheit der gefahrenen Tagesetappen ist ihm wichtig. Diese liegen übrigens zwischen 35 und 65 Kilometern pro Tag – abhängig von der Topografie der Etappe.

Jungfernfahrt ins Glück

Bis jetzt kennt nur Andreas die richtig guten Radstrecken in der Region. Für ihn ist die Grobarbeit aber erledigt. Das Team im Unternehmen kann sich an die Angebotsausschreibung machen und die neue Radreise bereits verkaufen. Für Andreas selbst geht’s jetzt an die Detailarbeit. Und das ist der Moment, in dem nun auch er wieder aufs Fahrrad steigt. Er fährt die ganze Strecke selbst ab. Also rund 300 Kilometer und mehr. Ausgestattet mit einem Diktiergerät, einer Regenjacke, einer großen Flasche Wasser und einem GPS-Gerät, um die Daten aufzunehmen. Anhand der Daten wird das Kartenmaterial erstellt, das jeder Reisende zur Verfügung gestellt bekommt. Sein Gepäck? Das wird von Hotel zu Hotel transportiert – so wie bei den Radurlaubern dann auch. Das Diktiergerät braucht er, um alles aufzunehmen, was ihm auffällt. Bei welcher Kreuzung muss man abbiegen? Wo ist ein Bahnübergang? Welche Besonderheiten bietet die Tagesetappe? Welche Sehenswürdigkeiten liegen auf der Strecke? Wo gibt’s Radwerkstätten? Und wie genau kommt der Radurlauber von Hotel zu Hotel? Neben diesen Basisinformationen sind es aber insbesondere die Geheimtipps von Einheimischen, um die er sich im Rahmen seiner Radreise bemüht.

Über Andreas

Andreas war schon immer begeisterter Radfahrer. Mit 17 Jahren hat er bereits den Großglockner, Österreichs höchsten Berg, mit dem Rennrad bezwungen. Danach stieg er aufs Mountainbike um.

Zum Studieren der Rechtswissenschaften kam der gebürtige Maishofener (Salzburger Land) in die Stadt Salzburg. Während des Studiums jobbte er als Reiseleiter für das Radreise-Unternehmen Eurobike. Seit mehr als zehn Jahren zeichnet er für die Entwicklung der Radreisen des Unternehmens verantwortlich.

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