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Reisebericht: Von Bled nach Venedig

Acht Tage, zwei Räder und ein Abenteuer zwischen Gipfeln und Gondeln
Radfahrerin mit gelben Packtaschen auf asphaltiertem Weg mit Metallgeländer, umgeben von bewaldeten Bergen im Alpental.

Es ist meine erste 8 tägige-Radreise und zugleich mein erstes Team on Tour-Abenteuer. Gemeinsam mit meinem Begleiter radle ich von Bled nach Venedig. Wir starten im malerischen Bled, eingerahmt von den Julischen Alpen und unser Ziel liegt rund 375 Kilometer entfernt: das unvergleichliche Venedig.

Die Entscheidung für diese Reise war schnell getroffen, denn ich liebe die Berge und er wollte schon immer einmal nach Venedig. Die Strecke? Vielversprechend. Die Kulinarik? Verlockend. Die Vorfreude? Riesig.

Radfahrerin mit gelben Packtaschen auf asphaltiertem Weg mit Metallgeländer, umgeben von bewaldeten Bergen im Alpental.

Auf zwei Rädern durch ein lebendiges Bilderbuch

Schon nach den ersten Kilometern ist klar: Diese Originalreise wird weit mehr als reine sportliche Betätigung. Wir durchqueren blühende Almwiesen, folgen alten Bahntrassen, radeln durch Lagunenlandschaften und tauchen ein in Orte, die wie aus dem Bilderbuch wirken. Wir atmen Sommerluft, schmecken das Meer auf der Zunge und begegnen Menschen, die Teil unserer Reise werden. Jeder Tag bringt neue Farben, neue Eindrücke und neue Geschichten. Das Rad wird dabei zum verlässlichen Begleiter auf einem Teppich, der sich Etappe für Etappe neu entfaltet.

Postkartenaussichten und Radfreundschaften

Die Julischen Alpen wirken wie gemalt. Gut ausgebaute Radwege schlängeln sich durch blühende Almwiesen, vorbei an weidenden Schafen und Kühen, begleitet vom Rauschen wilder Gebirgsbäche. Darüber thronen die Berge, schroff und eindrucksvoll.

Die Slizzaschlucht wirkt mit ihrem türkisfarbenen Wasser fast magisch. Zwischen Sonne und Schatten entdecken wir auf der zweiten Etappe immer wieder kleine Highlights, darunter tosende Wasserfälle und Tunnel auf der alten Bahntrasse, in denen wir willkommene Kühle genießen.

Auf einer beeindruckenden Eisenbahnbrücke halten wir für ein Foto, zwei andere Radfahrer ebenfalls. Ein kurzer Austausch, ein Lächeln. In den nächsten Tagen kreuzen sich unsere Wege immer wieder. Wir winken uns beim Vorbeifahren zu, essen abends gemeinsam. Aus flüchtigen Begegnungen entsteht eine kleine Reisegemeinschaft, ganz ohne Planung.

Klarer türkisfarbener Bach fließt durch die felsige Slizza-Schlucht bei Tarvis, mit steilen Felswänden, grünen Bäumen und einem Holzsteg links.

Vogelgesang und ein unerwartetes Abenteuer

Langsam lassen wir die Berge hinter uns, die Landschaft wird sanfter. Waldabschnitte begleiten uns, und es scheint, als veranstalten die Vögel darin ein Konzert. Zwischen den Baumwipfeln entdecken wir Greifvögel und Schmetterlinge tanzen über blühenden Strandflieder am Wegrand.

Die Wege werden schottriger, wilder und wunderschön. Dann ein Moment, den ich so schnell nicht vergesse: In Gedanken versunken folge ich meinem Begleiter, als plötzlich eine niedrige Straßenunterführung auftaucht. Im letzten Moment ducke ich mich und presse mich auf den Lenker, mit einem Hauch Abstand rutsche ich unter der Unterführung hindurch. Wir müssen beide laut lachen. Mein Begleiter sagt grinsend: „Ich navigiere nicht nur, ich muss auch noch die Durchfahrtshöhe für dich checken.“

Einzelner Radfahrer auf Schotterweg durch grüne Felder bei Osoppo. Berge in der Ferne unter blauem Himmel mit vereinzelten Bäumen entlang der Strecke.

Kaffeeduft und die erste Meeresbrise

In Palmanova, der sternförmigen Festungsstadt, gönnen wir uns einen Cappuccino. Die Sonne steht hoch, der Fahrtwind wird wärmer. Am Wegrand entdecken wir ein Reh, das aus einem Graben trinkt, später auch plantschende Biberratten und farbenprächtige Vögel. Die Strecke führt durch Felder, Pappelreihen und kurze Straßenabschnitte.

Und dann liegt sie plötzlich in der Luft, die erste Meeresprise. Ein salziger Hauch, der sich mit dem Sommerduft vermischt. Noch ist das Meer nicht in Sicht, doch wir nähern uns Tritt für Tritt. Die Kulinarik hält, was sie verspricht: Cozze alla marinara, hausgemachte Orecchiette, hauchdünne Pizza. Italien zeigt sich von seiner genussvollen Seite.

Weiße Steinfassade des Doms in Palmanova mit drei Rundbogenportalen, Statuen in Nischen und einem Fahrrad auf dem Platz davor.

Sonne, Stille und Sandstrand

Der Weg nach Caorle ist vielleicht der Abenteuerlichste. Ein Abschnitt führt uns über Feldwege bei San Michele al Tagliamento: staubig, einsam, wunderschön. Keine Häuser, kaum Menschen sondern nur Natur. Und dann, wie ein Kontrastprogramm: Caorle. Farbenfrohe Fassaden, Sandstrand, Sonnenschirme, viele Touristen.

Wir gönnen uns einen Sprung ins Wasser. Das ist eine Mischung aus Belohnung, Abkühlung und Ankommen für uns. Die Liege unter dem Sonnenschirm wird zum besten Platz des Tages. „Il dolce far niente“ (= das süße Nichtstun) hat sich noch nie so verdient angefühlt. Die Kombination aus Bewegung und Erholung ist hier einfach perfekt.

Das Labyrinth von Venedig

Am letzten Tag starten wir früh, denn mein Begleiter möchte Venedig mit all seiner Pracht erleben, ganz ohne Eile. Schon lange träumt er davon, durch die verwinkelten Gassen zu schlendern, die eindrucksvollen Gebäude zu sehen und in das besondere Flair dieser Stadt einzutauchen. Heute ist es so weit.

Ein kurzer Zwischenstopp in Jesolo und dann geht es weiter zur ersten Fähre. Als wir die zweite Fähre betreten, sind wir die einzigen beiden Radfahrer an Bord. Unsere Räder parken unten auf dem Ladedeck – zwischen Autos, LKWs und einem Bagger. Ein kurioses Bild. Wir selbst sitzen oben mit Einheimischen, Handwerkern und Touristen, lassen uns den Wind um die Nase wehen und genießen die Überfahrt.

Schmaler venezianischer Kanal mit vertäuten Booten zwischen historischen Gebäuden. Verwitterte Fassaden in Beige- und Rottönen säumen den Wasserweg.

Die Fahrt schenkt uns erste Eindrücke von Venedig: elegante Palazzi und kunstvolle Fassaden, die langsam näher rücken. Nach den letzten Radkilometern erreichen wir unser Hotel, geben die Räder ab, machen uns frisch und fahren mit dem Bus direkt Richtung Stadt. Der Markusplatz glänzt in der Sonne, die Menschenströme bewegen sich träge, doch nur ein paar Schritte weiter verlieren wir uns fast allein in den stillen Gassen. Glaskunst, enge Kanäle, das sanfte Plätschern der Gondeln: Venedig ist ein Labyrinth voller Schönheit.

Auch kulinarisch wollen wir Venedig erleben und gönnen uns am Nachmittag ein kleines Stück „Dolce Vita“: knusprige Cannoli, gefüllt mit süßem Ricotta. Ein perfekter Genussmoment – typisch venezianisch und herrlich süß.

Radnova Tal

Fazit

Diese Reise war ein kleines Abenteuer, eine großartige Erfahrung und ein wunderbares Training für Beine, Sinne und Herz. Wir haben alpine Kraft gespürt, die sanfte Weite des Südens erlebt und die venezianische Eleganz bewundert. Sechs Tage voller Farben, Gerüche, Gespräche und Genüsse auf zwei Rädern.

Was bleibt, sind die Bilder der Julischen Alpen, das leise Rauschen des Meeres und das Staunen über türkisfarbene Bäche, bunte Städte und die unvergleichliche Atmosphäre Venedigs. Kleine Umwege wurden zu Geschichten.

Ich erinnere mich an die Vorfreude, als wir die Anreise angetreten sind, die Pizza, die fast zu gut war, um sie zu teilen, die Musik auf dem Markusplatz und an das Gefühl, unterwegs ganz bei sich zu sein. Diese Tour hat gezeigt: In sechs Tagen kann man nicht nur viele Kilometer zurücklegen, sondern auch viel erleben, wenn man sich einlässt und den Moment mitnimmt.

Bled bis Venedig? Jederzeit wieder!

Mein Lieblingsplatz

Das Radovna-Tal hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Eingebettet zwischen mächtigen Felswänden und stillen Wäldern, strahlt es für mich eine besondere Ruhe aus. Es liegt im Nationalpark Triglav, zwischen den Karawanken und den Julischen Alpen. Das Tal erinnert an die Alpentäler zu Hause und fühlt sich doch ganz anders an.

Mein Lieblingsplatz bietet schattenspendende Bäume, perfekt für ein Picknick oder, wie bei uns, für eine gemütliche Pause bei der Gostilna Psnak. Im Schatten sitzend, eine kühle Cola in der Hand, schweift der Blick über die wunderschöne Landschaft. An diesem klaren Sommertag erhasche ich sogar einen Blick auf die Nordwand des Triglav, Sloweniens höchstem Berg.

Mein Tipp: Hier einkehren, durchatmen und einfach schauen.

Radfahrerin im roten Shirt fährt E-Bike auf Straße in Zgornja Radovna mit dramatischen Berggipfeln und grünen Wäldern unter blauem Himmel.
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