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Mit dem Rad zu Most, Cidre & Sturm

Wo Europas Obstkultur zuhause ist
Reife Äpfel an einem Baum mit grünen Blättern in Prad. Berge und blauer Himmel mit weißen Wolken im Hintergrund.

Wenn draußen der Wind stärker wird und die Tage langsam kürzer werden, beginnt in vielen Regionen Europas die Zeit von Most, Cidre und Sturm. Ob als klassischer Birnenmost in Oberösterreich, als schwäbischer Most im Neckartal, als Cidre und Poiré in den Obstgärten der Normandie oder als Sturm zur Weinlese in den Weinregionen Österreichs und Deutschlands – kaum ein anderes Getränk ist so eng mit Landschaft, Tradition und regionaler Kultur verbunden.

Obstanbaugebiete, Weinberge sowie familiengeführte Betriebe prägen seit Jahrhunderten ganze Landstriche. Wer diese Regionen mit dem Rad bereist, lernt eine Genusskultur kennen, die eng mit dem jeweiligen Reiseziel verwurzelt ist. Wir zeigen, wo Europas bekannteste Most- und Sturmregionen liegen – und welche Eurobike-Radreisen dorthin führen.

Reife Äpfel an einem Baum mit grünen Blättern in Prad. Berge und blauer Himmel mit weißen Wolken im Hintergrund.

Was man über Most wissen sollte...

Aus dem vergorenen Saft der Äpfel entsteht Apfelmost bzw. Cidre.

Aus Birnen wird Birnenmost oder Poiré hergestellt. Aus den charakteristischen Mostbirnen entstehen hier unterschiedliche Sorten – von mild-fruchtig bis kräftig und würzig.

Je nach Anbaugebiet reicht der Alkoholgehalt meist von 4 bis 8 Prozent.

Most kann still oder leicht prickelnd sein. Er wird entweder pur, oder mit Mineralwasser als „gespritzter Most“ serviert.

Je nach Region werden Äpfel und Birnen von August bis Oktober geerntet. Viele Höfe laden im Herbst während der Ernte- und Presszeit zu Verkostungen ein.

Zu den bekanntesten Mostregionen Europas zählen das Mostviertel in Niederösterreich, die Streuobstlandschaften Baden-Württembergs sowie die Cidre-Regionen der Normandie.

Was man über Sturm wissen sollte...

Aus teilweise vergorenen roten oder weißen Trauben entsteht Sturm und ist somit die Zwischenstufe von Traubensaft und Wein.

Sturm ist ein saisonales Getränk und wird ausschließlich im Herbst während der Weinlese angeboten.

Sturm gibt es in weißer und roter Variante. Frischer Sturm ist süß, fruchtig und leicht prickelnd. Mit fortschreitender Gärung wird er trockener und entwickelt mehr Alkohol.

Besonders beliebt ist Sturm in Österreich, vor allem in der Steiermark und im Weinviertel. In Deutschland ist er als Federweißer oder Federroter bekannt.

Da Sturm weiter gärt, werden die Flaschen nie vollständig verschlossen. Deshalb sollte er stets aufrecht transportiert und gekühlt gelagert werden.

Baden-Württemberg

Tradition zwischen Neckar und Alb

Zwischen Neckartal und Schwäbischer Alb gehören Streuobstwiesen seit Jahrhunderten zum Landschaftsbild. Aus Äpfeln und Birnen entsteht hier schwäbischer Most – ein Getränk mit langer Tradition. Besonders bekannt ist das Schwäbische Mostviertel rund um Backnang, Aspach, Weissach im Tal und die umliegenden Gemeinden. Im Herbst laden Mostwirtschaften und Gasthäuser dazu ein, regionale Spezialitäten und Most zu genießen. Mit verschiedenen Radreisen führt Eurobike durch die Streuobst- und Genusslandschaften Baden-Württembergs – von den Regionen entlang des Neckars bis zu Schwarzwald, Rhein und Bodensee.

Genuss-Tipp: Nach der Obsternte trifft man sich traditionell in den sogenannten Besenwirtschaften – saisonal geöffneten Gaststuben, in denen regionale Erzeuger ihre Produkte verkaufen. Der namensgebende Besen vor dem Haus zeigt bis heute an, dass eingekehrt werden darf. Zum Most wird klassischerweise ein Vesper serviert. Darunter versteht man eine herzhafte Brotzeit mit Bauernbrot, Speck, Wurst, Käse und hausgemachten Aufstrichen.

Drei Radfahrer auf einem asphaltierten Weg zwischen Weinbergen mit Windrädern auf fernen Hügeln und einem Kirchturm im Hintergrund.
Zwei Hände stoßen mit Apfelgläsern über Weinbergen in Gamlitz, Südsteiermark an. Grüne Hügel und verstreute Häuser unter blauem Himmel.

Vom Obst ins Glas...

Most entsteht aus Äpfeln oder Birnen, die nach der Ernte gepresst werden. Dabei wandeln Hefen den Fruchtzucker in Alkohol um. Je nach gewünschtem Geschmack und Tradition der Region reift der Most mehrere Wochen oder sogar einige Monate. Das Ergebnis ist ein regional geprägtes Getränk, das je nach Herkunft als Apfelmost, Birnenmost, Cidre oder Poiré bezeichnet wird.

Sturm hingegen wird bereits während der Gärung genossen: Der teilweise vergorene Traubenmost ist süß, leicht prickelnd und gilt als Vorbote des neuen Weinjahrgangs.

Sturm in Deutschland

Federweißer und Federroter

In Deutschland ist Sturm vor allem als Federweißer (aus weißen Trauben) oder Federroter (aus roten Trauben) bekannt. Besonders in den Weinregionen der Pfalz, Rheinhessens und Baden Württembergs gehört Federweißer fest zur Weinlese und gilt als Vorbote des neuen Weinjahrgangs. Frisch schmeckt er süß, fruchtig und leicht prickelnd, bevor er sich nach und nach zu Wein entwickelt.

Genuss-Tipp: Traditionell wird Federweißer mit warmem Zwiebelkuchen serviert. Die Kombination aus der fruchtigen Süße des jungen Weins und dem herzhaften Gebäck gehört in vielen deutschen Weinregionen zum Herbst einfach dazu.

Drei Radfahrer auf einem asphaltierten Weg durch grüne Weinberge in der Pfalz, eingerahmt von Weinblättern, mit Hügeln im Hintergrund.

Mostviertel in Niederösterreich

Heimat des Birnenmostes

Denkt man in Österreich an Most, führt kein Weg am Mostviertel in Niederösterreich vorbei. Zwischen Donau und Ötscher erstreckt sich das größte geschlossene Mostbirngebiet Europas. Herzstück der Region ist die Moststraße südlich der Donau zwischen den Städten Amstetten, St. Valentin, Haag, Seitenstätten und Waidhofen an der Ybbs. Die rund 200 Kilometer lange Genussroute führt durch sanftes Hügelland, vorbei an Mostbirnbäumen, Vierkanthöfen, Mostheurigen und zahlreichen Produzenten, die die Mostkultur der Region bis heute lebendig halten.

Genuss-Tipp: In den Mostheurigen wird Most traditionell zu einer herzhaften Jause serviert. Hausgemachte Aufstriche, Speck, Geselchtes, Käse und frisches Bauernbrot harmonieren besonders gut mit den fruchtigen und würzigen Aromen des Birnenmostes.

Wer das Mostviertel mit dem Rad entdeckt, erlebt die Region mit allen Sinnen. Ein Blick auf die Birnbäume und ein Glas Most am Ende des Tages macht das Erlebnis perfekt.

Junger Mann Manuel Gangl in grau-blauem Poloshirt vor einer hellen Holzwand stehend, lächelt in die Kamera.
Manuel Gangl

Reisespezialist

Sturmtradition in Österreich

Weinviertel

Als größtes Weinbaugebiet Österreichs spielt das Weinviertel eine zentrale Rolle in der Sturmsaison. Rund um Retz, Poysdorf, Falkenstein und Mailberg beginnt mit der Weinlese die Zeit des süß-prickelnden Getränks, das als Vorbote des neuen Weinjahrgangs gilt. In den Kellergassen, Heurigen und Winzerhöfen der Region wird Sturm traditionell ausgeschenkt und gehört für viele Einheimische ebenso zum Herbst wie die Weinernte selbst.

Zu den Reisen
Radfahrergruppe mit gelben Packtaschen fährt durch Weingärten am Donauradweg. Grüne terrassierte Hügel und Berge im Hintergrund.

Wachau

Entlang der Donau und in den umliegenden Weinregionen von Wachau, Kremstal und Kamptal gehört Sturm im Herbst vielerorts zum kulinarischen Angebot der Heurigen.

Zur Reise
Frau pflückt Äpfel vom Baum, während Radfahrer mit Helm zuschaut, im Hintergrund Donau und Wachau-Dorf mit weißem Kirchturm.

Steiermark

Die Südsteiermark, Weststeiermark und das Vulkanland Steiermark zählen zu den beliebtesten Sturm Regionen Österreichs. Im Herbst wird Sturm in Buschenschänken und Heurigen ausgeschenkt und gehört fest zur Weinlesezeit. Besonders bekannt ist auch der rosafarbene Schilchersturm aus der Weststeiermark.

Zu den Reisen
Zwei Radfahrer fahren durch Weinberge in der Südsteiermark auf eine gelbe Kirche mit spitzem Turm bei Gamlitz zu unter klarem blauen Himmel.

Normandie und Bretagne

Cidre aus Frankreich

In Frankreich spricht man meist nicht von Most, sondern von Cidre. Der prickelnde Apfelwein gehört vor allem in der Normandie und Bretagne zur regionalen Identität.

Die Normandie gilt als das Herz der französischen Cidre-Kultur. Regionen wie Pays d'Auge, Cotentin oder Perche sind von ausgedehnten Apfelgärten geprägt. Aus traditionellen Mostäpfeln entstehen hier nicht nur Cidre, sondern auch Calvados, ein aus Cidre destillierter Apfelbrand, sowie Pommeau, ein Aperitif aus frischem Apfelsaft und Calvados. Beide Spezialitäten sind fester Bestandteil der regionalen Genusskultur und werden auf vielen Höfen und in traditionellen Cidrerien hergestellt.

Auch die Bretagne blickt auf eine lange Cidre-Tradition zurück. Besonders bekannt ist der Cidre de Cornouaille AOP, eine geschützte Herkunftsbezeichnung. Rauhe Küsten, kleine Hafenorte, keltische Traditionen und weitläufige Apfelgärten prägen die Region und machen die Bretagne zu einer der bekanntesten Cidre-Landschaften Frankreichs.

Genuss-Tipp: Wer die Bretagne besucht, sollte sich eine Pause in einer Crêperie gönnen: Erst eine herzhafte Galette, danach ein süßer Crêpe und dazu ein Glas regionaler Cidre – bretonischer Genuss ganz unkompliziert und authentisch.

Rot-gelbe Äpfel hängen an Zweigen mit grünen Blättern in einem sonnigen Garten. Mehrere gefallene Äpfel liegen im Gras darunter.
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